Marion Braun siegt bei der Sportlerwahl 2012

Sie ist die Weltrekordlerin über 100 Kilometer: Marion Braun siegt bei unserer Sportlerwahl Von Günter Kirschbaum Marion Braun hatte alle Mühe, die Fassung zu bewahren. Sie war überwältigt, als sie darüber informiert wurde, dass die Leserinnen und Leser unserer Zeitung sie zur Sportlerin des Jahres 2012 gewählt haben. „Ich glaube, ich stehe neben mir“, sprudelte es aus der Ultraläuferin des SV Germania Eicherscheid heraus. „Schon über die Nominierung habe ich mich riesig gefreut. Und jetzt das. Ich fasse es einfach nicht. Das ist das gleiche Gefühl wie beim Weltrekord.“ Den ist die 55-Jährige am 6. Oktober bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften in HanauRodenbach über 100 Kilometer in der Zeit von 8:39:51 Stunden gelaufen. Marion Braun gehört zu den Stars der deutschen Ultralauf-Szene. Auch wenn die examinierte Kinderkrankenschwester das gar nicht so gern hört. Sie hat es lieber leiser, steht nicht so gerne in der ersten Reihe. „Platzierungen und Zeiten sind mir nicht so wichtig“, betont die 1,54 Meter große Läuferin. „Mir geht es darum, den Lauf zu schaffen.“ Die Herausforderung durch die Distanz – das ist der Kick, der sie immer wieder an den Start treibt. Ihr geht es nicht um Titel, Rekorde oder Pokale, sondern um ihr persönliches Erlebnis. „Ich habe sehr gerne Läufe, die mich ablenken“, sagt Marion Braun. „Ich suche mir das Schöne in der Landschaft. Zum Beispiel beim Nachtlauf in Biel in der Schweiz. Da sehe ich die Sterne, genieße diese traumhafte Atmosphäre, höre auf meinen Schritt. Die Frage nach dem Sinn stelle ich mir selten.“ Die Liebe zum Ultralauf entdeckte sie über einen Umweg. Der Anstoß, sich tatsächlich auf diese Distanz zu wagen, gaben ihr Gatte und Freunde. „Ich habe mich gemeinsam mit Wolfgang auf seinen ersten 100-km-Lauf vorbereitet. Und irgendwann fragte er mich: ,Willst Du nicht auch laufen?‘ Ich nahm das nicht ernst, aber als mir dann auch gute Bekannte zu einem Start rieten, habe ich gemeldet. Das war 2001“, blickt Marion Braun auf den Anfang ihrer Karriere als Ultra zurück. Und der war überaus erfolgreich. Bei diesen Deutschen Meisterschaften gewann sie gleich den Titel in der AK 40. Seitdem hat die Eicherscheiderin rund 50 000 RennKilometer auf der Straße zurückgelegt. Was sich in dieser Zeit nicht geändert hat, ist der Respekt vor den Anforderungen, die die Strecke an die Athleten stellt. „Ich gehe nie an den Start“, gesteht sie, „wenn ich das Gefühl habe, ich schaffe es nicht.“ Wahrscheinlich war 2012 das bisher erfolgreichste Jahr der Sportlerin Marion Braun. Deshalb wurde sie gefragt, ob sie nicht wieder im Nationaltrikot starten wolle. Zunächst lehnte sie dankend ab. Denn was es heißt, für Deutschland zu laufen, hatte sie in den Jahren 2006 bis 2008 erfahren. „Der Druck war zu groß“, berichtet Marion Braun aus dieser Zeit. „Ich konnte nicht mehr so trainieren, wie ich wollte. Ich bin kein Mensch, der 140 bis 160 Kilometer pro Woche laufen kann“, begründet Marion Braun. „Mir reichen 100 Kilometer in der Woche.“ Sie hatte mit der Nationalmannschaft abgeschlossen. Bis sechs Tage vor Weihnachten. Dann erhielt Marion Braun vom Deutschen Leichtathletik-Verband die Mitteilung, dass sie in den Ultramarathon-Kader des DLV berufen wurde. „Ich fühle mich natürlich geehrt und muss nun eine Entscheidung treffen“, sagt sie. „Nach mehrmaligem tiefen Durchatmen würde es mich schon wieder reizen, denn für Schwarz-Rot-Gold zu laufen und das ganze Drumherum zu erleben, ist schon ein unbeschreibliches Gefühl.“ Urlaub und Sport verbinden Das Laufen ist aus dem Leben des Ehepaares Braun nicht wegzudenken. Selbst ein Urlaub ohne ein Rennen ist undenkbar. „Unsere Reisen rund um die Welt verbinden wir mit dem Laufen“, sagt Marion Braun. Wie im Mai dieses Jahres. Da jetteten die beiden nach Mauritius, starteten beim Royal Raid über 80 Kilometer und ließen es sich anschließend auf der Insel im Indischen Ozean gut gehen. Viel Zeit zur Muße bleibt Marion Braun im Alltag nicht. Ihren Job im Kindergarten des Aachener Studentenwerks bezeichnet sie ebenso als Hobby wie den Ultralauf und das Wandern. Sie hat einen vollen Terminkalender. Ob sie über das Ende ihrer sportlichen Karriere nachdenkt? „Ich bin 55“, betont sie. „Irgendwann muss ja Schluss sein.“ Wann das sein wird, ist noch unbestimmt. Sie wird es wahrscheinlich spüren, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

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